500 Jahre Reformation

Was gibt es für Sie zu feiern?

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Susanne Fröhlich, Schriftstellerin und Moderatorin

"Danke an Luther: Für mich wäre das mit dem Ablasshandel sicherlich richtig teuer geworden."

Frank Lehmann, Ex-Fernsehmoderator und Börsenexperte

Weil ich Erinnerungen an die 68er Bewegung habe, da gibt es Parallelen zur Reformation. Ich habe in Frankfurt studiert und mich der 68er-Bewegung angeschlossen. Als ich merkte, was Rudi Dutschke wollte, habe ich gedacht: Hey, das ist ja wie Luther damals zur Reformation. Der mündige Bürger! Du musst selbst denken! Die 68er-Bewegung hat mich sehr stark an die Reformation erinnert. Das waren ähnliche Themen: Die Verkrustungen aufzubrechen, das hat ja Luther schon getan. Insofern bin ich gern Reformationsbotschafter, um zu sagen: Hey Leute, passt auf, selbstständig Denken ist mit das Wichtigste!

Uwe Becker, Bürgermeister und Kirchendezernent der Stadt Frankfurt am Main

"Die Reformation hat uns gezeigt, dass es wichtig ist, für seine Überzeugungen einzustehen, dass Engagement und Handeln belohnt werden. Die Reformation hat eine religiöse Bildung für alle ermöglicht und unsere Gesellschaft sowie den Dialog der Religionen vorangebracht, hierfür sollten wir dankbar sein. Die Förderung des Dialoges sollte auch in der heutigen Zeit noch unser Ziel sein, denn nur durch den Dialog kann tiefes Vertrauen entstehen. Das Festjahr bietet eine gute Gelegenheit, sich dessen bewusst zu werden."

Anton Le Goff

Das aktuelle Zeitgeschehen bringt mich im Moment schon am frühen Morgen aus der Fassung: „Lasset die Geister aufeinander prallen, aber die Fäuste haltet still!“ Ach Luther, wenn es doch nur so wäre… Im Laufe des Tages halte ich es dann nicht mehr aus und wünsche mich in ein Paralleluniversum, aber da kommt Luther schon wieder um die Ecke: „Die ganze Welt ist voller Wunder“. Meist komme ich damit auch noch nicht weiter und gehe direkt ins Wirtshaus. Natürlich auch mit Luther: „Iß, was gar ist, trink was klar ist, red, was wahr ist.“

Mike Josef, Stadtrat

Der Mensch steht im Mittelpunkt. Er ist plötzlich unmittelbar zu Gott und nicht mehr auf die Vermittlung Dritter angewiesen – das ist aus meiner Sicht der wesentliche Aspekt der Reformation. Martin Luthers Leistung besteht aber nicht nur darin, diesen Gedanken formuliert zu haben; er hat ihn auch in einer klaren, eindeutigen und für jedermann verständlichen Sprache vermittelt. Damit hat er die noch weitgehend mittelalterlich geprägte Welt so stark verändert, dass wir noch heute im täglichen Leben seinen Einfluss spüren.

Eva Demski, Schriftstellerin

Luthers Sprache muss man trotz all seiner Finsternisse feiern.

Dr. Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan

"Aus Leidenschaft für die Wahrheit, aber auch aus blinder Wut und kaltem Kalkül haben wir uns vor 500 Jahren zerstritten. Der Fortschritt theologischer Erkenntnis im Ganzen und die fromme Vernunft vieler Einzelner führen uns seit 50 Jahren zueinander. Die Einheit ist ein Kennzeichen der Kirche. Die Suche nach ihr führt uns miteinander dem Herrn entgegen. Wir haben das Beste noch vor uns. Das feiert 2017 mit seinen evangelischen Geschwistern, Dr. Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan."

Bruder Paulus Terwitte

"500 Jahre Protestantismus bedeutet für mich, täglich reformiert zu werden: Den bequemen, aber doch vergänglichen Rahmen von gestern um Himmels willen dem kommenden Christus entgegen gesprengt zu bekommen: Sei doch jetzt schon eins mit Gott. Sei doch schon eins mit dir. Seid doch jetzt schon eins untereinander."

Khushwant Singh

Reformation erinnert mich daran, dass sich in dieser Zeit die Sikh-Religion entwickelte. Ihr Ausgangspunkt war u.a. Kritik am Klerus und an der Kapitalisierung der Religion mitsamt allen Formen des Ablasshandels, die dem Schöpfer Züge der Bestechbarkeit zusprechen. In den spirituellen zeitlosen Weisheiten (Gurmat), die im Zentrum unserer Lebensweise stehen heißt es: Wahrhafte Spiritualität bedarf keiner Reformation.

Khushwant Singh ist Vorsitzender des Rates der Religionen Frankfurt und Vertreter der Sikh-Religion