Die Wahrheit ist nicht eintönig

26.04.2017

Uraufführung des Musiktheaters "König David Bericht"

Foto: Rolf Oeser

Um Wahrheitssuche, kritischen Umgang mit der eigenen Tradition, politischen Druck, Standhaftigkeit mit Blick auf das eigene Gewissen, darum ging es bei der Reformation. Und um Texte: Ohne Luthers Bibelübersetzung lässt sich der damalige Umbruch nicht denken.

Diese Motive bündelt „Der König David Bericht“: Die Evangelische Kirche in Frankfurt am Main begeht am Pfingstwochenende das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ unter anderem am Sonntag, 4. Juni 2017, um 19 Uhr mit der Uraufführung dieses Musiktheaters in der Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Straße 23, Innenstadt. Vorab, ab 18 Uhr, führt der evangelische Stadtdekan Dr. Achim Knecht in das Werk ein.

Textvorlage ist ein Buch von Stefan Heym, das aus dem Alten Testament schöpft
Grundlage ist ein Buch, das der DDR-Schriftsteller Stefan Heym 1972 veröffentlichte. Ralph Abelein, Professor an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, vertonte das Werk des systemkritischen Autors, das voller zeitgenössischer Anspielungen steckt, aber auf einer alttestamentarischen Erzählung beruht. Abelein findet das Buch  ausgesprochen aktuell, schließlich gehe es in ihm und im heutigen Alltag um die Frage, „wem kann man vertrauen?“ und „was passiert, wenn Mächtige ihre Macht missbrauchen und welche Rolle spielen die Medien dabei?“ Der König David Bericht ist einer der ersten Romane Heyms, die nur noch im Westen Deutschlands veröffentlicht wurden. „Nicht die Abrechnung mit dem Stalinismus schlechthin steht hier im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung mit den Propagandamethoden, mit dem sozialistischen Realismus“, schrieb Marcel Reich-Ranicki 1972 in seiner Rezension des Buches in der Zeit.

Ob auf Schriftrollen, auf Papierbasis verbreitet oder heute übers Netz zu empfangen – die Suche nach Wahrheit beschäftigte die Menschen im Zeitalter der biblischen Vorlage, der Reformation und die Menschen 2017. So sieht es auch Bernhard Kießig, Referent für Pop- und Gospelchor und PopPiano im Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der den König David Bericht mit Gesangsstudierenden der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, dem Landesgospeljazzchor „Jazz My Soul“ und der Kammerphilharmonie Frankfurt einstudiert hat. Die Regie hat Uwe Hausy, Referent für Spiel und Theater am Zentrum Verkündigung der EKHN, übernommen.

„Ethan hat doch auch erlebt, was es heißt, unter Druck gesetzt zu werden“, sagt Kießig. Und sein Widerstand und Einsatz für Wahrhaftigkeit kostete ihn viel – nicht zuletzt seine Liebe und schlussendlich fast das Leben.

Die auf der biblischen Darstellung basierende Geschichte: Ethan wird an den Hof des Königs Salomo gerufen: Um dessen Legitimation zu festigen, soll er Recherchen zu den Berichten über seinen durchaus schillernden Vater König David anstellen und darüber einen „wahren und autoritativen, historischen genauen“ Bericht verfassen.  Während sich Ethan auf der Suche nach der Wahrheit immer tiefer in die Vergangenheit gräbt, muss er erkennen, dass er nur ein Stein im Spiel der Mächtigen ist. Texte werden verdreht, seine Geliebte Lilith ihm abspenstig gemacht.
Wahrheit hat meist viele Facetten, das zeigt sich bei dem MusiktheaterKönig David Bericht auch im Kompositorischen: Ein klassisches Orchester trifft auf E-Gitarreund Percussion. Kießig zählt Einflüsse auf aus Musical, klassischer Musik, Operette, Weltmusik, Gospel, Pop und Jazz. Der Komponist ist ein Grenzgänger zwischen den Stilen, in seinem Ansatz vielleicht vergleichbar mit Leonard Bernstein.  Abelein betont aber: „Es ist keine beliebige Mischung, ich wollte einen musikalisch sinnvollen Zusammenhang schaffen.“

Zwölf Szenen mit Musik
Schwer haben sich Abelein und Kießig damit getan, den „König David Bericht“ einer Gattung zuzuordnen. Ein konventionelles Musical ist es nicht, dafür fehlen unter anderem die Tanzeinlagen, eine Oper auch nicht, dafür wird zu viel gesprochen. Musiktheater – diesen Begriff fanden beiden nach manchem Grübeln zusammen mit dem Librettisten Helmar Breig (Stuttgart), der die Vorlage für die "Zwölf Szenen" einrichtete,  am geeignetsten. Und die beiden sind sicher, die Verbindung „macht das Stück sowohl für klassisch als auch popgeprägte Zuhörende interessant“.

Sieben Solisten wirken mit: Timon Führ, Bariton, singt den Salomo, den Part des Geschichtsschreibers Ethan übernimmt der Tenor Heribert Haider, Vanessa Katz, Mezzosopran, tritt als Lilith, seine Geliebte, auf, Florian Löffler, Tenor, wird als Benaja, Befehlshaber des Heeres, auf der Bühne stehen, Frederic Mörth, Bariton, übernimmt den Part des Priesters Zadok, Harald Hieronimus Hein, ebenfalls Bariton, wirkt als Kanzler Josaphat mit. Eine Sprechrolle hat Antonia Kessler übernommen, sie ist als Hexe von En-Dor zu erleben.

„Ich habe immer schon Pop, Jazz und Musical nebenher gesungen“, erzählt Vanessa Katz, die die Ausbildung zur Opernsängerin schon abgeschlossen hat. In Frankfurt legte sie den Bachelor ab, in Köln erhielt sie den Master. Die Sängerin ist sehr angetan von dem musikalischen Grenzgang. Und Abelein war es von ihrem Wirken. Während der Proben war er so angetan von Katz‘ Lilith, dass er ihr noch einen zweiten Song geschrieben hat. „Es fängt klassisch an und dann lässt es sich keiner Gattung mehr zuordnen“, berichtet die Sängerin.

Neben der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, der Hochschule Darmstadt und der Kammerphilharmonie Frankfurt sind das Zentrum Verkündigung, die Evangelische Gemeinde Frankfurt-Bockenheim und das Evangelische Bezirkskantorat Ludwigsburg Kooperationspartner. Zu den Unterstützern zählen das Projektbüro Reformationsdekade der EKHN, die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt a.M., der Verein Andere Zeiten" sowie die EKHN-Stiftung.


Weitere Aufführungen finden am Freitag, 9. Juni 2017, um 20 Uhr in der Kirche St. Jakob in Frankfurt-Bockenheim und am Sonntag, 8. Oktober 2017, um 18 Uhr in der Stadtkirche Ludwigsburg statt.

Der Online-Vorverkauf hat begonnen: Tickets sind erhältlich unter www.könig-david-bericht.de

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