Der Almosenkasten

20.03.2017

Eine Vorform des späteren Klingelbeutels

Tafel zur Werbung für den Allgemeinen Almosenkasten, evangelische Dreikönigskirche Frankfurt am Main

Im Mittelalter war die Fürsorge für Arme, Kranke und Schwache zunächst Sache der Kirche. Ihnen zu helfen, war ja ein Gebot für die Christen. Doch genoss der Almosengeber auch auch mancherlei Vorteile. Die Almosen versöhnten mit Gott, mehrten den Wohlstand, erhielten die Gnade, sicherten die Erhörung des Gebetes, halfen im Jüngsten Gericht und bewahrten vor der Hölle.

In Frankfurt lag die Armenpflege zuerst beim St. Bartholomäusstift, vor allem in Form täglicher Speisungen und Lieferung von Speisen nach Hause. Als sich ab dem 12. Jahrhundert verschiedene Orden in Frankfurt niederließen, beteiligten sich auch diese. Im Jahr 1437 stiftete jedoch der Arzt und Frankfurter Bürger Johann Wiesebeder dem Rat 3.200 Gulden für Hausarme, Altersschwache und Kindbetterinnen. Das war der Anfang städtischer Armenpflege durch den Allgemeinen Almosenkasten, dessen Vermögen von Johann von Holzhausen 1438 und anderen erhöht wurde. Die Almosen wurden in der Alten Nikolaikirche verteilt.

Von Anfang an hatten auch die Reformatoren die Armenfürsorge im Blick. Hatte sich der wahre Glaube doch im tätigen Handeln der Nächstenliebe zu erweisen; nicht um die Seligkeit zu erkaufen, sondern in der Nachfolge Christi. So forderten die Frankfurter Artikel von 1525 auch eine bessere Ausstattung des Almosenkastens durch Zuführung von Renten und Zehnten, die nicht unmittelbar zum kirchlichen Gebrauch benötigt wurden. Die Formulierungen lassen vermuten, dass der alte Almosenkasten entweder nicht mehr bekannt war oder dass man eine völlige Neuordnung für notwendig hielt.

Diese erfolgte am 24. Mai 1530. Der neue Almosenkasten wurde finanziell gut ausgestattet. Der Rat brachte die bisherigen Almosenstiftungen und Legate ein und auch das Vermögen und die Einnahmen des Barfüßerklosters, der Beginenklause in Oberrad, des Gutleuthofes, von St. Peter, St. Maternus und Dreikönig. Die Leistungen erhielten nur Einheimische. Die Empfänger hatten auf ihrer Kleidung den Frankfurter Adler zu tragen. 1531 waren es 310. Das Kastenvermögen wuchs in der Folgezeit erheblich, zum Beispiel durch das 1583 eingeführten „Almosensäcklein“, einer Vorform des späteren Klingelbeutels. So konnte der Almosenkasten auch seinen anderen Aufgaben gerecht werden, nämlich dem Bau und der Renovierung der Kirchen und der Kirchenbuchführung.

Jürgen Telschow

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